Die Gangrehabilitation ist eines der wichtigsten Ziele nach einem Schlaganfall und zugleich eines der am schwersten zu erreichenden – insbesondere für Menschen in der chronischen Phase. Viele Patientinnen und Patienten erlangen zwar eine gewisse Gehfähigkeit zurück, doch Gehgeschwindigkeit, Sicherheit, Ausdauer und Selbstvertrauen bleiben oft selbst nach Monaten oder Jahren konventioneller Therapie eingeschränkt.
Eine klinische Studie aus dem Jahr 2023, die in Frontiers in Neuroscience veröffentlicht wurde, untersuchte, ob recoveriX – ein auf Bewegungsvorstellung (Motor Imagery) basierendes Brain-Computer-Interface (BCI) kombiniert mit funktioneller Elektrostimulation (FES) und virtuellem Feedback – die Ergebnisse der Gangrehabilitation bei Schlaganfallbetroffenen mit dauerhafter Gehbehinderung verbessern kann.

Nach einem Schlaganfall können Schwäche in den unteren Extremitäten, Spastik und eine eingeschränkte Gelenkmobilität dazu führen, dass das Gehen langsam und unsicher wird. Konventionelle Methoden der Gangrehabilitation – wie Gehtraining auf dem Boden, Laufbandtraining oder elektromechanisch unterstütztes Training – können zwar helfen, allerdings variieren die Ergebnisse und bei manchen Patientinnen und Patienten tritt ein Plateau ein.
Ein Grund dafür ist, dass viele Therapien nicht objektiv überprüfen können, ob ein Patient genau in dem Moment, in dem das Feedback erfolgt, das beabsichtigte Bewegungsgebot im Gehirn aktiv erzeugt. recoveriX ist eine BCI-basierte Gangrehabilitation, die darauf abzielt, diese Lücke zu schließen, indem sie sensorisches Feedback in Echtzeit mit der tatsächlichen Bewegungsabsicht der betroffenen Person verknüpft.
Die Studie berichtete über eine klinisch signifikante Zunahme der Gehgeschwindigkeit um 0,19 m/s(95% CI 0.13–0.25, p < 0.001).
Praktisch gesehen bedeutet eine höhere Gehgeschwindigkeit in der Gangrehabilitation:
Die Autoren berichteten zudem über Verbesserungen bei den Funktionen der unteren Extremitäten, die den Fortschritt in der Gangrehabilitation häufig einschränken:
Zusammenfassend stützen diese Veränderungen die Annahme, dass gezieltes Neurofeedback mit recoveriX zu stabileren und kontrollierteren Bewegungen der unteren Extremitäten beitragen kann – eine wesentliche Grundlage für eine effektive Gangrehabilitation.
Eine Messwiederholungsanalyse des 10MWT ergab, dass eine signifikante Verbesserung der Gehgeschwindigkeit erst etwa ab der 21. Sitzung auftrat. Für die Planung der Gangrehabilitation ist dies entscheidend: Der Nutzen erfordert eine nahezu vollständige TherapiEDosis und stellt sich nicht schon nach kurzer Behandlungsdauer ein.
Diese Intervention basiert auf dem Prinzip des geschlossenen Regelkreises (Closed-Loop):
Bewegungsabsicht → erkannte Gehirnaktivität → unmittelbares Feedback
recoveriX liefert nur dann Feedback (Avatar + FES), wenn die beabsichtigte Bewegungsvorstellung (Motor Imagery) tatsächlich erkannt wird. Ziel ist es, die Verbindung zwischen Gehirnaktivierung und sensorischen Konsequenzen zu stärken, was neuroplastische Veränderungen unterstützt, die für das Gehen relevant sind.
Dies unterscheidet sich von Open-Loop-Ansätzen, bei denen eine Stimulation oder Bewegung stattfindet, ohne dass überprüft wird, ob die Person das beabsichtigte Bewegungsgebot im Gehirn aktiv erzeugt.
Für Fachkräfte, die Programme zur Gangrehabilitation leiten, unterstreicht diese Studie folgende praktische Punkte:
Für Patientinnen und Patienten, die nach einem Schlaganfall an ihrer Gangrehabilitation arbeiten, zeigt die Studie:
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